Netzwerk Schule 2015 Im September 2015 wurde unser Netzwerk Schule gegründet. Es ist ein Zusammenschluss weiterführender Schulen Oranienburgs, sowie verschiedener Organisationen und Institutionen. Wir arbeiten eng mit dem Unterstützerkreis, dem DRK, dem BdV und der Stadt Oranienburg zusammen. Es geht darum, Kräfte zu bündeln, Ideen zu sammeln und auszutauschen, Aktionen gemeinsam vorzubereiten und zu starten. Es geht um Themen wie Flucht, Asyl und Migration, genauso wie gemeinsames Vorgehen gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Intoleranz.

Wir initiieren Begegnungen und Gespräche zwischen Jugendlichen und Erwachsenen, Geflüchteten von damals und heute. Es entstanden 20 Portraits in Kurz- und Langform. Beeindruckend war die offene und vertrauensvolle Atmosphäre der Gespräche, geprägt von gegenseitigem Respekt, Dankbarkeit und Empathie.

Dagmar Jurat
Dagmar Jurat


Steh auf Preis Das Netzwerk Schule 2015 war nominiert für den
"Steh' auf - Preis" 2017 der Friedrich Christian Flick Stiftung


Gemeinsam mit über neunzig Initiativen und Personen aus Brandenburg und fast allen Bundesländern war unser Netzwerk eingeladen zur Preisverleihung am 22.06.2017 in der Staatskanzlei des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg. Eine wunderbare und sehr beeindruckende Veranstaltung, nicht zuletzt durch die Anwesenheit so bedeutender Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie dem Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier, Manfred Stolpe, Dr. Dietmar Woidke sowie der Juryvorsitzenden Petra Köpping, Staatsministerin für Gleichstellung und Integration Sachsens.
Manfred Stolpe begrüßte im Namen des Stiftungsratsvorsitzenden Friedrich Christian Flick die Gäste mit einer bewegenden und sehr persönlichen Rede. Im Grunde war da schon allen Anwesenden klar: Nicht nur die vier Preisträger des Jahres 2017 würden diesen Abend als Gewinn mit nach Hause nehmen können.
Die Grußworte des Bundespräsidenten wie des Ministerpräsidenten waren nicht nur getragen vom Dank an die vielen Menschen, die in Brandenburg und in der ganzen Republik mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit die Demokratie lebendig gestalten und ein Klima der Offenheit und der Toleranz aufrechterhalten. Die Probleme und Herausforderungen, vor denen die Zivilgesellschaft steht, wurden ziemlich offen und klar beim Namen genannt.
Aber die Preisverleihung war keine rein politische Veranstaltung. Abwechslungsreiche Musikbeiträge sorgten für nachdenkliche aber auch fröhliche Stimmung unter den Gästen. Es ging durchaus unbeschwert zu in den knapp 90 Minuten.
Höhepunkt des offiziellen Teils der Veranstaltung war natürlich die Preisverleihung. Dr. Friedrich Schorlemmer hielt die Laudatio auf die Preisträger-Initiative des Jahres 2017 "Willkommen in Köthen - Weltoffen und bunt". In seiner unverwechselbar pointierten Art würdigte er den schwierigen und hartnäckigen Kampf der Inititative in Köthen, die sich über eine Zuwendung von 10.000 € durch die Stiftung freuen durfte.
Zwei weitere Preise wurden an Kommunalpolitiker vergeben, deren Wirken in besonderer Weise für eine weltoffene und tolerante Atmosphäre in ihren Städten sorgt: Der Oberbürgermeister von Potsdam Jann Jakobs und der Bürgermeister von Rathenow Ronald Seeger. Die Laudatio auf die beiden Bürgermeister hielt Prof. Dr. Heinz Kleger, Professor für Politische Theorie an der Universität Potsdam. Der Journalist und Autor Hajo Schumacher schließlich sprach mit sehr persönlichen Worten über eine Initiative eines Freundes: "Flüchtlingspaten Syrien e.V.". Dieser Verein organisiert die Übernahme von Patenschaften für den Familiennachzug von Geflüchteten aus Syrien. Am Ende waren sich wahrscheinlich alle einig: Es gab vier würdige Preisträger und es gab sehr viel Lob und Anerkennung für alle Initiativen und die deutliche Botschaft: Weitermachen. Wir werden gebraucht, für ein tolerantes und freundliches Land.

Impressionen aus der rbb-berichterstattung Gruppenbild mit Bundespräsident

Eindrücke von der Preisverleihung.


Gedanken von beteiligten Jugendlichen

Mareen Wruck, 18 Jahre
Im Unterricht sprach Frau Jurat das Projekt "Flucht gestern und heute" an. Eine sofortige Begeisterung packte mich. Ich dachte sofort an meine Großeltern. Ihre Flucht und vor allem ihr zufälliges Wiedersehen, 27 Jahre nach dem Krieg, berühren mich noch immer. In der Schule werden die Gefallenen und Geflüchteten des Zweiten Weltkrieges nur in Zahlen zusammengefasst, werden zu Fakten. Die einzelnen, persönlichen Schicksale sind dagegen interessanter und zugleich erschreckender. Ich denke, dass diese Lebensberichte wichtig sind, für das Verständnis. Durch Oma und Opa erfuhr ich viele Dinge, die in keinem Lehrbuch stehen, für die im Lehrplan keine Zeit ist. Man kann nicht jede Geschichte erzählen, aber dieses Projekt zeigt durch einen kleinen Einblick, dass hinter Zahlen und Fakten, Millionen Schicksale stehen.

Jana Makowski, 18 Jahre
Zum Netzwerk Schule bin ich über mein Engagement bei Pi, der SOR-AG am Runge gekommen. Wir bekamen die Einladung und ich beschloss hinzugehen. Damals hatte ich noch keine Idee, dass aus diesem Treffen ein echter Zusammenschluss und ein so großes Projekt werden sollten. Obwohl ich im April mein Abi gemacht habe, unterstütze ich das Netzwerk Schule noch immer. Ich finde es wichtig, Menschen die Möglichkeit zu geben, ihre Geschichte zu teilen. Persönliche Geschichten schaffen ein viel größeres Bewusstsein für die Situation der Betroffenen und leisten so hoffentlich einen Beitrag zur Akzeptanz der Geflüchteten in unserer Gesellschaft.

Otto Kirchhöfer, 18 Jahre
Ich habe am Projekt teilgenommen, weil Flucht und Vertreibung ein Thema darstellt, das aktuell ist, war und immer sein wird. Zudem bin ich der Meinung, dass auch andere Menschen erfahren sollen, was Geflüchtete durchmachen mussten. Für mich ist dieses Thema besonders brisant, da meine Großeltern nach dem Zweiten Weltkrieg aus Polen nach Deutschland gekommen sind. Ich hoffe, dass wir mit dieser Ausstellung möglichst viele Menschen erreichen können, damit sie die Lage der Geflüchteten verstehen.

Lydia Scherwinski, 16 Jahre
Da meine Oma mir schon oft von ihrer Kindheit erzählt hatte, passte es gut, sie zu diesem Thema zu interviewen und an dem Projekt Fluchtgeschichten teilzunehmen. Ich finde, dass es eine gute Idee ist, Geflüchtete von damals und heute zusammenzuführen und freue mich, dies mit meiner Oma unterstützt zu haben.

Pauline Schmidt, 15 Jahre
Ich bin schon seit knapp einem Jahr in der Initiative „Willkommen in Oranienburg“ und beschäftige mich dort mit Flüchtlingen und organisiere Feste für sie mit. Durch die AG „Pro Individualität“ (PI) und Frau Ehrig bin ich auf das Netzwerk Schule gekommen. Ich war schon vorher beim Netzwerk Courage dabei und aus diesem Grund war es eine gute Möglichkeit für mich, wieder in einem Zusammenschluss von SOR/SMC-Schulen dabei zu sein. Ich finde das Projekt „Flucht gestern und heute“ sehr gut, da mir solche Geschichten sehr nahe gehen. Ich interessiere mich sehr für die verschiedenen Schicksale, da meine Oma und mein Opa selber deutsche Geflüchtete waren.

Zacharias Orth, 16 Jahre
Flucht sowie Fluchtursachen beschäftigten mich schon vor dem Angebot ein Interview zu führen. Meine Motivation begründet sich auf der Aktion „Schülerpaten“, bei welcher ich Adnan beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützt habe. Auf Grund dieser Erfahrung erklärte ich mich bereit, an diesem Unterfangen teilzunehmen.

Freyja Krull, 16 Jahre
Ich engagiere mich in meiner Freizeit gegen Rassismus und für Toleranz. Deswegen habe ich mich sehr gefreut, als ich erfahren habe, dass noch Interviewer gesucht werden für die geplante Ausstellung „Flucht gestern und heute“. Mir hat das Interview mit einer Geflüchteten von heute eine intensive Einsicht in ihr Leben gegeben. Das direkte Gespräch mit Betroffenen fördert auf jeden Fall das Einfühlungsvermögen und Verständnis für die Situation und Beweggründe.

Yannik Krumm, 13 Jahre
Als ich von dem Projekt erfahren hatte, fragte ich meine Oma nach ihrer Flucht. Sie fand die Idee des Projektes gut und freute sich, mit mir über ihre Erfahrungen zu sprechen. Ich freue mich, für das Projekt einen Beitrag geleistet zu haben.

Julia Steinmetz, 16 Jahre
Ich war schon im letzten Jahr bei der Podiumsdiskussion im Bürgerforum und finde es wichtig, dass jeder Erfahrungen direkt machen kann. Ich hatte schon länger versucht, mich zu engagieren, aber es war bisher schwer für mich, Kontakte herzustellen. Jetzt habe ich von Gleichaltrigen Informationen aus erster Hand erhalten

Nia Fehlow, 16 Jahre
Ich finde die Verbindung von Jungen und Alten sehr interessant. Ich habe feststellen können, dass sich die Fluchtgeschichten von gestern und heute sehr ähneln, besonders wenn man mehr über die persönlichen Ängste, Hoffnungen und Erfahrungen während der Flucht erfährt.

Matthäa Mollenhauer, 16 Jahre
Ich finde es wichtig, dass hier Jugendliche einbezogen wurden und werden. Ich habe festgestellt, dass man als Minderjährige Schwierigkeiten hat, sich in Organisationen zu engagieren. Das war hier nicht der Fall. Ich möchte weiterhin aufklärend wirken.

Marlene Weise, 16 Jahre
Ich gehe seit 2012 auf das F.F. Runge-Gymnasium in Oranienburg. Dort engagiere ich mich in der AG „PI“. Bei einer Sitzung kam das Interview mit Narges ins Gespräch. Gemeinsam führten Freyja und ich dieses Interview durch. Eine unvergessliche Erfahrung.